Die Befreiung der Arbeit: Räte und Selbstverwaltung – Eine kritisch-historische Betrachtung

ERSCHIENEN IN: DIREKTE AKTION 220 – NOV/DEZ 2013 (Anarcho-syndikalistische Zeitung)

Mehrere tausend Betriebe und bis zu 100.000 Beschäftigte werden es in Deutschland wohl gewesen sein, die Schätzungen schwanken stark. Doch viel ist nicht mehr übrig von der einst so großen Bewegung selbstverwalteter Betriebe und Initiativen. Als die in den 1970er Jahren entstandene Alternativbewegung, aus der die meisten Kollektive hervorgingen, ihren Zenit überschritten hatte, wurde es in Deutschland wieder stiller um Kollektivbetriebe. Bei den Verbliebenen verblassen oft die Ideale und sie arbeiten unter finanzieller sowie körperlicher und mentaler Selbstausbeutung. Doch auf die Idee und Praxis der Selbstverwaltung wird in der ArbeiterInnenbewegung immer wieder zurückgegriffen, um Arbeit anders zu organisieren als in einer kapitalistischen Form. In einem zweiteiligen Artikel möchte sich die DA zunächst mit den historischen Erfahrungen von Räten und Selbstverwaltung auseinandersetzen, um in der kommenden Ausgabe offene Fragen, Konflikte und mögliche Diskussionslinien zu behandeln. [Redaktion Zeitlupe]

Auf dem Weg zur Emanzipation stellt sich den Menschen die wichtige Aufgabe, das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben neu zu gestalten. Die indirekte Demokratie, ein System der Stellvertretung und die kapitalistische Wirtschaftsweise kommen dafür ganz offensichtlich nicht in Frage. Doch auch alle staatskapitalistischen und zentralstaatlichen Planwirtschaftsmodelle haben sich als untauglich erwiesen. Seit dem ersten proletarischen Revolutionsversuch, der Pariser Kommune 1871, haben aufbegehrende Lohnabhängige unzählige Male auf Konzepte und Praktiken der Arbeiterkontrolle, der Räte sowie der Selbstverwaltung zurückgegriffen. In den zurückliegenden 140 Jahren wurden daher genügend Erfahrungen gesammelt, die den Stoff für eine kritische Diskussion liefern. Diese rätedemokratischen Basisinitiativen haben sich unter drei grundlegend verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen ereignet: Unter privatkapitalistischen Verhältnissen, während einer Revolution und im staatskapitalistischen Realsozialismus. Daher fielen die realen Erfahrungen mit der Arbeiterkontrolle bzw. den Räten und der Selbstverwaltung auch ziemlich unterschiedlich aus. Wenn ich im Folgenden vor allem auf die Probleme, Unzulänglichkeiten und Niederlagen dieser Versuche eingehe, dann im Bewusstsein, dass eine egalitäre, emanzipierte Gesellschaft nur durch eine rätedemokratische und auf Selbstverwaltung sowie Gemeineigentum beruhende Art und Weise vorstellbar ist…. WEITERLESEN

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