Alle Macht geht von den Aktiven aus

Meine Gedanken zur BMV:

Der eher unglücklich agierende ehemalige Bundessprecher Omo sprach mal von einer „Diktatur der Tätigen“. Er meinte damit, dass nur die Aktiven das Recht bekommen haben, über Ausrichtung, Inhalte und Methoden der Emanzipatorischen Linke zu bestimmen. Das wurmte ihn damals sicher, darum sprach er in diesem emanzipatorischen Zusammenhang von Diktatur. Das hört sich zunächst konträr an und ist auch so nicht korrekt. Wo will man denn, wenn man die Selbstermächtigung von Menschen möchte und sich wünscht, das als Diktatur bezeichnen? Das war sicher auch Ausdruck seiner eigenen Unzufriedenheit darüber, nicht zur Gruppe der Tätigen zu gehören.

Dennoch bestimmen ja die Tätigen das Wohl und Wehe einer Gruppe, wer denn sonst? Nur schlau dazwischen grätschen, oder in einer Konsumhaltung wartend auf die Dinge, die gemacht werden und auch mal falsch gemacht werden, bringt es dann auch nicht. Wenn schon ein Strahlo im Forum eine mittelschwere Austrittswelle entfacht, sagt das wenig über die Ausrichtung der Ema.Li, umso mehr über die fragilen Grundauffassungen einzelner Mitglieder. Die Ema.Li sollte sich als eine Gruppe verstehen, die nicht nur zum beobachten, kommentieren und orientieren da ist. Mitmachen ist gefragt, noch besser ist: MACHEN.

Einige haben das kapiert, wie der K.Peter, der von der Progressiven Plattform kommt und vorher bei den Piraten war. Er kam auf uns zu und wollte seine Themen über die Ema.Li positionieren. Das konnte er relativ unkompliziert. Er wartete also nicht aufs Mitmachen, sondern machte einfach und fand glücklicherweise Strukturen, die ihm das ermöglichten. Eine win/win-Situation.

So sollte das funktionieren. Das ist auch aus meiner Sicht eine herausragende Herausforderung an die Bundesmitgliederversammlung am kommenden Wochenende. Wie schaffen wir es, Interessenten zur Mitgliedschaft zu motivieren und Mitglieder zum Mitmachen und Machen. Den chronisch niedrigen Anteil von Frauen sei nochmal hier besonders erwähnt.

Die, die sich für diese Strömung interessieren, sollten wissen, dass sie eine Vielzahl von Möglichkeiten bei der Ema.Li vorfinden, politisch aktiv zu werden. Alles was im sogenannten Diskurskorridor vorzufinden ist, gilt als mögliches Thema. Ob es die digitale Revolution und 3d-Drucker sind, oder die Geschichte der evangelischen Kirche in der DDR ist, vieles kann von den Mitgliedern positioniert werden.

Es gibt durchaus gute Beispiele dafür, dass dieser mittlerweile anarchistisch anmutende und „geführte“ Haufen zu großartigen Veranstaltungen und spannenden Diskursen fähig ist. Die Konferenz „Macht ohne Herrschaft“ öffnete sich einer kulturell inspirierten Gesellschaftslinken, nicht nur wegen dem parallel erschienenem Buch „Schritt für Schritt ins Paradies“.

Die Vorbereitungen waren, wie auch nachfolgende Events und Feste, ziemlich holprig. Wahrscheinlich ist es immer so, wenn Kulturschaffende auf Strukturlinke treffen. Das ist oft mühsam, die anstrengende Arbeit hat sich aber immer gelohnt. Hirarchiefrei Projekte voran zu bringen, wird immer aufwändig bleiben.

Dennoch hatten hier die Akteure eine Veranstaltung zusammen gebastelt, die ganz verschiedene Leute zusammen gebracht, die aufregende Diskussionen ausgelöst und die bei den Besuchern bleibende Eindrücke hinterlassen hatte. Allein dafür hatten sich die nervenaufreibenen Quengeleien gelohnt.

Ähnlich war es beim Mühsam Fest und bei „Vorsicht Volk“. Immer kam ein Buch heraus, immer gab es die versuchte Anschlussfähigkeit an kulturell anders Agierende und auch Denkende und immer gab es konstruktive Diskurse unter den Aktiven.

Natürlich sollte man in Zukunft darauf achten, thematisch und vom Duktus her nicht unter die Räder zu kommen oder gar instrumentalisiert zu werden. Bei „Vorsicht Volk“ war die Gefahr, von der Übermächtigkeit und publizistischen Macht der „Jungle World“, einem weiteren Partner des alternativen Einheitsfestes, in der Ausrichtung des Festes überrannt zu werden und dem eigentlichen Thema der Aufarbeitung der Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte ziemlich einseitig oder gar nicht gerecht zu werden. Wer den Begriff Volk nur völkisch interpretiert, hat für mich einen zu verengten Blick auf diese Bundesrepublik. Diese Dinge sollten für die Zukunft viel sachlicher und ausführlicher unter den Aktiven, die ein solches arbeitsaufwendiges Projekt satteln, diskutiert werden. Die Akteure müssen sich im Projekt auch wieder finden können.

Auch sollte die Emanzipatorische Linke, insbesondere die Sektion Berlin, sich in Zukunft zu schade sein, um vordergründig individuelle, auch materielle Partikularinteressen zu flankieren. Teil eines oft damit verbundenen Marketing-Konzeptes zu sein, sollte uns nicht ausreichen. Der kulturellen Öffnung sollte der eigene Anspruch nicht geopfert werden.

Und der eigene Anspruch wird weiterhin kommen und wird sich, davon bin ich überzeugt, in Veranstaltungen, Diskussionen und Festen widerspiegeln. Ob es die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe Digitale Revolution sein wird oder der geplante Emanzipationskongress im Epizentrum LINKER Macht, dem Karl-Liebknecht-Haus im Zuge des Berliner Wahlkampfes 2016 und nicht nur als symbolische Wirkung in die Partei.

Alles wird seinen Platz haben. Nur Aktive muss es geben, die das alles mit Verve, Kreativität, Freude und Motivation umsetzen. Ideen sind genug vorhanden.

Die Dezentralisierung der Strukturen der Ema.Li, als ein weiterer wichtiger Punkt meiner Ausführungen, waren und sind ein wichtiges Anliegen und sollten es auch bleiben. Diese Idee wurde bisher mehr oder weniger mit dem Aufbau von Landesverbänden umgesetzt. Nur leider sind die Ergebnisse eher unbefriedigend. Für mich ragen da nur Niedersachsen und NRW, sicher auch das hyperaktive Berlin, heraus. Die anvisierten Verbände in Sachsen-Anhalt, Bayern und Brandenburg waren nicht mal ein Leuchtfeuer. Aus Bremen oder Hamburg wurde schon lange nichts mehr gehört…In Sachsen könnte sich was tun. Das plötzlich aufgetauchte Ema.Li-Gründungsmitglied Julia nährt die Hoffnung nach Impulsen und Aktivitäten aus dieser Ecke.

Es sollte insgesamt mehr Leute geben, die den Gedanken der Ema.Li gut finden, die ihn weitertragen, die aktiv werden, mitgestalten und gestalten. Dafür gibt es viel zu Wenige.

Der Aufschlag von Klaus-Peter zur BMV liest sich großartig. Vieles davon teile ich ausdrücklich. In der to do Liste findet man durchaus ambitionierte Projekte, aber auch viel Arbeit in den Strukturen der LINKEN. Damit ist aus meiner Sicht ein erhöhter Personalbedarf verbunden. Wo wir diese Genoss*innen für die anspruchsvollen Aufgaben her bekommen wollen, steht im Papier leider nicht.

Irgendjemand sagte mal, wir sollten uns nicht zukoffern. Ich finde diese Aussage sehr wichtig und elementar im Bezug auf künftige Aktivitäten. Wir müssen darauf achten, dass das Motivationslevel gleichmäßig hoch gehalten wird und das die Kräfte und zeitlichen Potenziale nicht schwinden. Nur so können wir dauerhaft, gleichmäßig und konstant agieren.

Oder ganz viele Menschen wollen plötzlich aktiv werden in der Ema.Li. Dann könnten die Ziele aus dem Papier von Klaus-Peter einer Umsetzung näher rücken und müssten keine theoretische Idealisierung bleiben.

Also, kommt in diese Ema.Li, werdet nicht nur Mitglied, sondern verwirklicht aktive politische Arbeit. Ihr könnt in die Partei wirken und sie aufmischen und ihr könnt für eine Anschlussfähigkeit der LINKEN an gesellschaftlich relevante Gruppen sorgen. Das ist sicher eine spannende Aufgabe jetzt schon für viele Leute und hoffentlich in der Zukunft für noch viel mehr.

Der derzeit kleine Anarcho-Haufen, den es immerhin gibt, wird einfach weiter machen. Raik Weber

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