Das Internet und der Sozialismus (3): „Mit 3D-Druckern den Sozialismus ausdrucken?“

File:3D-Drucker Varseo.jpgDie allseits beliebte Reihe „Das Internet und der Sozialismus „, eine Zusammenarbeit vom Bürgerbüro BerlinXXnet, der Ema.Li Berlin und der LAG Netzpolitik Berlin findet auch im neuen Jahr seine Fortsetzung. Die aktuelle Diskussion wird den Titel „Mit 3D-Druckern den Sozialismus ausdrucken?“

Das 3D-Drucken ist in aller Munde. Mit aktuellen 3D-Druckern für den Heimgebrauch lassen sich nahezu beliebige Formen aus Kunststoff oder anderen Materialien herstellen. Offensichtlich werden 3D-Druck-Technologien das Produzieren und Wirtschaften nachhaltig verändern.  
Welche sozialen und gesellschaftlichen Folgen wird der Einsatz von 3D-Drucken und die damit einhergehende Fortschreitende Robotisierung der Arbeits- und Produktionsprozesse haben? Wird unsere Gesellschaft durch sie Positiv verändert werden oder wird der Reichtum weiter wachsen und die Teilhabe an ihm weiter schrumpfen?  
Darüber will die Emanzipatorische Linke Berlin [10]  in Kooperation mit dem berlinxxnet[11] und der LAG Netzpolitik DIE LINKE Berlin [12] mit
Oliver Höfinghoff (MdA, @Riotbuddha),
Shaked Spier (DIE LINKE BAG Netzpolitik, @sshaked),
K. Peter Laskowski (Bundeskoordinierungskreis der Ema.Li, @kpeterlbw)
und den Teilnehmenden unter der Moderation von
Klaus Lederer (MdA, Landesvorsitzender DIE LINKE Berlin, @klauslederer)
am Freitag, den 22. Januar 2016, ab 19 Uhr im berlinxxnet in der Greifswalder Straße 220 diskutieren.
Also, wat is en 3D-Drucker?  
Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: „3D-Drucker sind Geräte, die Gegenstände quasi „ausdrucken“ können. Im Gegensatz zu regulären Druckern sind dies dreidimensionale Objekte. Die Produkte werden schichtweise und mit Hilfe unterschiedlicher chemischer und physikalischer Verfahren (v.a. Kleben und Schmelzen) aus Kunststoffen, Kunstharzen, Metallen oder  sogar organischem Gewebe aufgebaut. Die Steuerung erfolgt über Computer, in denen die gewünschten Produkte als 3D-Modell angelegt werden.“ [1]
Die Entwicklung von 3D-Druckern erfolgt rasant, Geräte werden immer billiger und ihre Fähigkeiten erweitern sich. Im Internet kursieren Dateien, die als Vorlage zur Reproduktion der gewünschten Gegenstände genutzt werden. Einhergehend mit der Entwicklung von 3D Druckern werden sich Arbeitsprozesse und Produktionsketten ebenso wie die Lagerhaltung und der Warenhandel tiefgreifend verändern. Gleichzeitig werden durch 3D Drucker und den „von ihnen erzeugten Plastikmüll zunehmenden Probleme für die Umwelt geschaffen.“ [2]
3D-Drucker verändern Arbeits- und Produktionsprozesse  
Fakt ist, dass 3D-Drucker und damit einhergehend Robotisierung „die Art, wie wir leben und arbeiten revolutionieren [werden]. […]Die Revolution der Informationstechnologien hat vorgeführt, wie rasant disruptive Innovationen ganze Industrien umwälzen“.[3]  
So gibt es schon portable Drucker die Rohstoffe aus der lokalen Umgebung wie Lehm, Schlamm, Abfall und Holz zum Häuserbau nutzen. „Durch die Verwendung von „Abfall“ reduzieren sich die Materialkosten für den Häuserbau auf exakt null Euro.“ [4] Menschen im Trikont, wo diese Technologie eingesetzt wird, können so lokale Rohstoffe nutzen um ihre Häuser zu bauen.
Fakt ist aber auch, dass im Zuge der industriellen Nutzung von 3D-Druckern in Industrie und Handel nicht nur einfache Tätigkeiten durch diese ersetzt werden.[5] So gibt es mit  „Strati“ schon das erste Auto, das zur Gänze im 3D-Drucker entstand.[6]
Auf der einen Seite finden wir die Utopie der gesellschaftsverändernden Kraft, nicht nur, des 3D Druckers „Mit ihm gibt es ein universelles Produktionsmittel, das aus den vielfältigsten Materialien dezentral alles Mögliche herstellen kann, nach oft frei verfügbaren Designs, unter Wegfall umweltschädlicher Logistik und ohne Produktionsabfälle“[7]
Lassen sich durch 3D-Drucker bzw. zukünftige 3D-Druckshops etablierte kapitalistische Strukturen unterlaufen? Werden Design-Pläne über Wikis geteilt und somit Prozesse und Produkte dezentralisiert und in die Breite gebracht werden, frei nach dem Motto „Teilen ist das neue Haben”?
„Eine deutliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und neue Formen der Produktion können aber auch Chancen eröffnen für ein stärker selbstbestimmtes Arbeiten und Leben, für eine sozial gerechtere und ökologische Gestaltung der Wirtschaft – und für neue Formen der Demokratie, die Alltag und Arbeit einschließen.“ [8]
Wenn 3D-Drucker bzw. zukünftige 3D-Druckshops jedoch in die Verwertungslogik des Kapitalismus eingebunden werden, so ist es wahrscheinlicher, dass die zu erwartenden Produktivitätssprünge die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit vertiefen werden. Dies hat zur Folge, dass der Reichtum weiter wachsen und die Teilhabe schrumpfen wird. Die Folgen wären auf allen gesellschaftlichen Ebenen katastrophal. „Die sozialen Sicherungssysteme wie die öffentlichen Haushalte werden Einbrüche bei den auf Lohn basierenden Einnahmen erzielen. Qualifikationen werden sprunghaft entwertet werden, Lebensplanungen durchkreuzt, neue Qualifikationen werden gefragt sein, selbstständige, freiberufliche Arbeit wird wieder zunehmen.“[9]
Und Nun?
Kann mit  3D-Druckern „der Sozialismus ausgedruckt“ werden und können durch 3D-Drucker bzw. zukünftige 3D-Druckshops etablierte kapitalistische Strukturen unterlaufen werden? Oder aber werden durch 3D-Drucker und die sozialen und gesellschaftlichen Folgen seines industriellen Einsatzes er Reichtum einzelner und der Gesellschaft weiter wachsen und die Teilhabe an ihm weiter schrumpfen?  
Zum Einlesen in diese und anderes rund um die Digitalisierung: „Smarte Neue Welt“ Luxenburg 3/2015 http://www.zeitschrift-luxemburg.de/lux/wp-content/uploads/2015/12/LUX_1503_E-Paper.pdf
[3] Marc Saxer, Die Wirtschaft von Morgen gestalten http://www.frankfurter-hefte.de/Aktuelle-Ausgabe/Zwischenruf/
[4] 3D Drucker für Entwicklungsländer verwertet natürliche Rohstoffe für Häuserbau http://lms-3d-drucker.hps4u.org/news_3d-produkte_17569896.html
[6] 3D-printed Car by Local Motors – The Strati, https://www.youtube.com/watch?v=daioWlkH7ZI
[7] Anke Domscheit-Berg, Demokratisierung der Produktion durch 3D Drucktechnologie,http://blog.linke-woche-der-zukunft.de/?p=52
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Ein Kommentar zu “Das Internet und der Sozialismus (3): „Mit 3D-Druckern den Sozialismus ausdrucken?“

  1. Pingback: Mit 3D-Druckern den Sozialismus ausdrucken?/Cybersozialistisches Neujahr – Plattform libertärer Opportunisten

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