AfD: Rassistisches Potenzial abgerufen

Diese AfD hat alles richtig gemacht. Ohne Programm, aber mit einer Ideologie, die Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Autokratie in den Mittelpunkt stellt, aufzutreten und die Millionen von Wahlberechtigten mit ihren rassistischen, chauvinistischen und sozialdarwinistischen Ansichten abzuholen, diese Rechnung scheint aufzugehen.

npdDer Weg von einer rechtspopulistischen zu einer rechtsradikalen Partei wurde von großen Teilen des Wählervolkes goutiert. Diese neue Partei bedient die Ressentiments, die schon immer bei einem großen Teil der Leute, sagen wir bis zu 30 %, schlummern und nun erweckt worden sind. Es sind nicht die Ängste, sondern ein tief sitzender Rassismus. Die Überzeugung, das sie das bessere und überlebenswertere Volk sind, ist präsent und unverrückbar.

In diesem normativen Korridor passt dann nicht viel rein. Man ist sich selbst genug. Die Abgrenzung gegenüber marginalen Gruppen ist der letzte Rettungsanker, um seinem Leben überhaupt noch einen Sinn zu geben. Aus einer konstruierten Überlegenheit gegenüber Allem anderen speist sich dann das Selbstwertgefühl, dass ein herrenmenschliches Auftreten ermöglicht. Es ist die Kompensation des eigenen, meist völlig verpfuschten, Daseins.

Die AfD hat diesen von der Demokratie, vom Rechtsstaat, vom Freiheitsversprechen und individueller Emanzipation abgehängten Menschen ein neues zu Hause gegeben. Sie sind für eine starke Hand, ideologische Führung, autokratische Entwicklungen, eindimensionale Bevölkerungsstrukturen und strikte Abgrenzung affin. Sie wollten es schon immer, doch die „etablierten“ Parteien boten das nur marginal an.

Haben wir diese Leute verloren? Vielleicht. Ich möchte nicht mehr Leute überzeugen müssen, dass der Faschismus und der Nationalsozialismus, dass Antisemitismus und Homophobie, dass gruppenbezogener Rassismus und Nationalismus absolute Scheisse sind. Ich möchte mit aufgeklärten Menschen die Zukunft gestalten, mit ihnen streiten und mit ihnen handlungseinig werden.

Denn mit Argumenten ist den Afd-Wählern nicht bei zu kommen. Sie wählten früher andere Parteien, weil sie nichts Besseres fanden. Sie kamen da unter, weil es in Deutschland bis dato noch niemand schaffte oder sich traute, eine rechtsradikale und fremdenfeindliche Partei zu installieren. Die CDU/CSU konnte mit der Doktrin, niemanden rechts neben sich zu dulden, Jahrzehnte durchhalten. Man sieht es zumindest der CSU noch immer deutlich an.

Doch was ist eigentlich mit den Anderen, der Mehrheit? Ist sie nicht eher zu stärken, als sich bei einem sinnlosen Bemühen aufzuhalten, die Rassisten wieder ins demokratische Boot zu holen?

Diese Mehrheit muss gestärkt werden. Die gesellschaftliche Linke und die Antifa, das bürgerliche Engagement, alternative Strukturen, linke und grüne Freiräume sind zu stärken. Denn sie sind die Ersten, die den Rechten die Stirn bieten. Sie halten ihre Gesichter hin, wenn es heißt gegen den rechten Mob zu kämpfen. Ihnen gilt jede staatliche und parteiliche Unterstützung.

Bürgerinitiativen und die unzähligen Ehrenamtlichen, Menschen, die sich in der Gestaltung einer besseren Gesellschaft, in der Stärkung der Demokratie, in der Durchsetzung des Grundgesetzes und der Meinungsfreiheit engagieren, denen sollte der Fokus und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gelten.

Sie dürfen nicht bekämpft werden, nicht von der Polizei, nicht von den Behörden und nicht von Parteien. Mit Sonntagsreden und Bekenntnissen als Symbolpolitik ist es hier nicht getan. Unterstützung muss täglich zu spüren sein und von der Exekutive gelebt werden. Denn sie sind das Fundament des Gemeinwohls. Sie bilden das emanzipatorische Gegengewicht zu den antidemokratischen Verwerfungen.

Die schweigende Mehrheit wird leider keinen Finger rühren, um diese Balance aufrecht zu erhalten. Sie wird verdrängen, vertuschen, relativieren und es nicht wahr haben wollen. Auf sie kann und darf man nicht setzen.  Sie werden es, wie immer, nicht gewusst haben.

Wir müssen viel mehr zusammen stehen. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Bewertung einer gerechten Gesellschaft gilt es gerade in diesen Tagen den gemeinsamen Feind zu erkennen und ihn zu bekämpfen. Die Feinde der Demokratie, der Emanzipation, einer pluralistischen und freien Gesellschaft stehen rechts! Und die Afd ist ihre Dekoration, die auch Republikaner, NPD, Die Rechten, Die Identitären oder sonstwas heißen könnte. (RW)

Zu diesem Thema passt auch der Beitrag: „Millionen Deutsche öffnen dem Faschismus die Tür“ und „Der Rechte Durchmarsch in Hessen“

 

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