Grenzenlos Prekär in der Crowd

Machining in the bands

Machining in the bands

Durch das Internet konnte eine neue Arbeitsvermittlung geschaffen werden: Crowdwork. Auf Web-Plattformen werden Aufträge bereitgestellt, „die ein Heer anonymer Arbeitnehmer erledigt – für Centbeträge und teils ohne Bezahlgarantie.“[1] – aber es gibt auch teils hoch entlohnte Jobs. Internetplattformen wie „Mechanical Turk“ [2] von Amazon sind hierbei das Online-Äquivalent zur Straßenecke, an der Tagelöhner*Innen auf die Aufraggeber*Inne warten um sich zu verkaufen. Auf Seiten wie diesen finden sich eine Unmenge kleiner Jobs, simple Aufgaben wie die Kategorisierung von Bildern, die Recherche von Emailadressen, und ähnliche Aufgaben, bei denen Computer an ihre Grenzen stoßen.

„Inzwischen sind es Millionen weltweit, die im Netz für Centbeträge oder wenige Euro Mikro-Aufgaben erfüllen. Das Internet, wie wir es kennen, würde ohne die Klick-Arbeiter nicht funktionieren.“[3] Beim deutschen Branchenführer „Clickworker“ liegen die Löhne maximal auf Mindestlohnniveau, welches aber nur einige wenige Clickarbeiter*Innen erzielen. [4] Diese Organisation digitaler Arbeit erlaubt Firmen, Aufgaben direkt an die Crowd zu vergeben, ohne über Dinge wie Mindestlohn, Krankenversicherung oder Kündigungsschutz überhaupt nachdenken zu müssen.

„Bei den meisten Plattformen haben die Klick-Jobber noch nicht einmal ein Recht darauf, für getane Arbeit bezahlt zu werden. Bei Amazon Mechanical Turk können Auftraggeber die Bezahlung sogar ablehnen, ohne dies zu begründen.“[3] Gleichzeitig führt diese Form der digitalen Arbeit zu einer hohen Verfügbarkeit der gerade benötigten Arbeitskräfte.
„Crowdsourcing liefert menschliche Arbeitskraft auf Knopfdruck.“[3] Crowdworking stellt bisher nur ein Randphänomen in der Arbeitswelt dar. Aber es ist zu erwarten, dass dieses Modell der Arbeitsorganisation in Zukunft wichtiger werden wird. Clickworker-Chef Rozsenich prophezeit: „In zehn bis zwanzig Jahren wird Crowdsourcing eine breit angewendete Methode sein.“ Die Folge könnte eine tiefgreifende Veränderung der Arbeit selbst in Betrieben sein, die auf den ersten Blick nichts mit dem Internet zu tun haben. [3]

Moritz Altenried hat es so zusammengefasst: „Die Digitalisierung des Kapitalismus bedeutet mitnichten das Ende der Arbeit – eher trifft das Gegenteil zu – sie verändert aber im hohen Maße unsere Produktionsweise.“[5] Wird der „digitale Taylorismus mit internationaler Arbeitsteilung“[5], und einem globalen Cybertariat, das grenzenlos Prekär in der Crowd beschäftigt ist, die Zukunft der Arbeit darstellen?
Was stellen wir dieser radikal anderen Arbeitswelt, in der Menschen wie Computer genutzt werden, die man nach Bedarf ein- und ausschalten kann, entgegen?

Darüber will die LAG Netzpolitik DIE LINKE [6] Berlin mit der Emanzipatorische Linke Berlin [7] in Kooperation mit dem Berlinxxnet mit

  • Anisa Fliegner, Sprecherin BAG Netzpolitik DIE LINKE
  • Nadine Müller, Referentin im Bereich Innovation und Gute Arbeit beim Bundesvorstand der Gewerkschaft Ver.di,[8]
  • Horst Kahrs, Sozialwissenschaftler, Referent des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Roman Grussu, Betriebsrat eines automobilen Finanzdienstleisters

am 8.April, ab 19 Uhr im BerlinXXnet, Greifswalder Str. 220, 10405 Berlin
diskutieren.

Moderiert wird die Veranstaltung von Julia Schramm, Mitarbeiterin bei der Amadeu Antonio Stiftung.

 

[1] Jonas Rest, „Ausgelagert ins Netz“, http://jonasrest.com/ausgelagert-ins-netz-die-digitalen-minutenloehner
[2] https://www.mturk.com/mturk/welcome
[3] Jonas Rest, „Die digitalen Minutenlöhner“, http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/crowdwork-und-crowdsourcing-die-digitalen-minutenloehner-1212884
[4] Sebastian Strube: „Die Entstehung des Digitalen Prekariats.“ Rosa Luxemburg Stiftung Standpunkte 2/2015., https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Standpunkte/Standpunkte_02-2015.pdf
[5] Moritz Altenried, „Lohn für Facebook?“, http://www.akweb.de/ak_s/ak604/15.htm
[6] https://twitter.com/dielinkeberlin
[7] https://twitter.com/plo_berlin
[8] http://innovation-gute-arbeit.verdi.de/themen/crowdworking

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